Abmahnung wegen Download von Originaldaten

Viele Besucher der Fancorner sind auf der Suche nach aktuellen Originaldaten, jedoch werden sie hier leider keinen entsprechenden Download mit einem aktuellen Userfile finden. Das hat zwei Gründe: Zum einen hätte ich aktuell gar nicht die Zeit, mich darum zu kümmern. Der Hauptgrund ist jedoch ein ganz anderer: Ich darf unter dieser Domain keine Originaldaten zum Download anbieten. Andernfalls müsste ich tief in die Tasche greifen. Aber der Reihe nach.

Anfang bis Mitte der 2000er gab es auf dem Spiele-Markt zwei Fußballmanager für  den PC, den FM von EA sowie die Anstoss-Serie von Ascaron. Die Lizenz zum Verwenden der Originaldaten lag bei EA, sie hatten einen entsprechenden Vertrag mit der DFL abgeschlossen. Für die Anstoss-Serie gab es das Project Userfile, einem Zusammenschluss von Fanseiten, die gemeinsam einen Originaldatensatz zum Download anboten.

Auslieferungsstopp für Anstoss 4

Im November 2002 gab es den ersten großen Knall. EA Sports stoppte die Auslieferung von Anstoss 4 durch einen Antrag auf eine Einstweilige Verfügung. EA Sports ging es hierbei um Ähnlichkeiten bezüglich der Spielerdaten zwischen dem EA Sports Total Club Manager 2003 und Anstoss 4. In einem vorab veröffentlichten Editor von Anstoss 4 waren in etwa 50 von über 50.000 Datensätzen u.a. fehlerhafte Geburtsdaten enthalten. Interne Recherchen bei EA ergaben, dass sich Ascaron an den Daten des Konkurrenzprodukts bedient, diese jedoch nicht genügend verfremdet hatte. Der Termin vor dem Landgericht Hamburg endete mit einem Vergleich. Ascaron besserte nach und Anstoss 4 stand etwas verspätet in den Regalen der Händler.

Die Abmahnwelle

Es kehrte etwas Ruhe ein. Anstoss 4 floppte, es wurde kein würdiger Nachfolger für Anstoss 3. Aus beruflichen bzw. zeitlichen Gründen konnte ich mich nicht mehr in den Maßen um die Fancorner kümmern, wie ich es früher tun konnte. Die größten Updates waren i.d.R. die aktuellen Datensätze durch das Project Userfile. Im Mai 2006 knallte es aber erneut, und diesmal war nicht Ascaron das Ziel, sondern viele Fanseiten. Die Betreiber der Webseiten erhielten Post von der DFL. Im Brief enthalten war eine Abmahnung sowie eine Unterlassungserklärung. In letzter verpflichtet man sich, unter einer bestimmten Domain keine Originaldaten der 1. und 2. Bundesliga für Softwareprodukte aus der Reihe "Anstoss" des Unternehmens Ascaron Entertainment GmbH zum Download anzubieten. Andernfalls kommt es zu einer Vertragsstrafe, die Höhe der Strafe möchte ich hier nicht nennen. Nur soviel: Der Betrag war fünfstellig.

Soweit, so gut. Die Downloads sind ja schnell entfernt, die Unterlassungserklärung ebenso schnell unterschrieben. Wäre es mal so einfach gewesen. Zum einen hatte ich zuvor die Anstoss-Szene nicht mehr wirklich verfolgen können und hatte daher auch durch anderen Fanseiten zunächst nichts von der Abmahnwelle mitbekommen. Zum andern gab es da noch ein ganz anderes Problem. Ich wohnte nicht mehr unter der Adresse, an die der Brief adressiert war, weil ich bis dato die Registrierungsdaten für die Doamin fancorner.de noch nicht hatte ändern lassen. Der Brief kam trotzdem an - bei meinen Eltern, denn die wohnten noch unter der Adresse, an die der Brief ging. Ende Mai telefonierte ich mit meiner Mutter, um mich für den 28. Mai 2006, einem Sonntag, zum Kaffee einzuladen. Während dem Telefonat meinte meine Mutter noch: "Du hast auch Post von der DFL bekommen." Zunächst dachte ich mir nichts dabei und hielt es für Werbung, wobei ich mir nicht erklären konnte, woher die DFL meine Adresse hatte, zumal es die falsche ist. Da ich Inhaber einer Dauerkarte für Eintracht Frankfurt war (und aktuell auch immer noch bin), brachte ich es im weitesten Sinne irgendwie damit in Verbindung. Eventuell kamen sie dadurch an meine Adresse, war mein Gedanke.

Am Sonntag öffnete ich dann den Brief bei meinen Eltern und wurde erstmal blass. Statt Werbung hielt ich einen hochoffiziellen Brief von der DFL in den Händen, datiert auf den 17. Mai 2006. Darin wurde ich aufgefordert, die dem Brief beiliegende Unterlassungserklärung unterzeichnet im Original bis zum 25. Mai 2006 an die DFL zu schicken. Mit der Unterzeichnung der Unterlassungserklärung verpflichtete ich mich, unter der Domain fancorner.de, keinen Datensatz mit Originaldaten von Vereinen und Spielern für die Anstoss-Serie von Ascaron zum Download anzubieten. Und die im Schreiben der DFL gesetzte Frist war für mich nun eher blöd, denn der 25. Mai war längst vorbei. Dass in dem Schreiben noch Wörter vorkamen wie "Geltendmachung" und "Schadensersatzansprüche", muss ich hier wohl nicht erwähnen. Der Besuch bei meinen Eltern war dann eher von kurzer Dauer, ich fuhr zunächst direkt nach Hause und radierte in der Fancorner alles aus, was irgendwie mit dem Project Userfile in Verbindung zu bringen ist. Nun hatte ich aber noch das Problem, dass ich nicht fristgerecht gehandelt hatte was die Unterzeichnung der Unterlassungserklärung betrifft. Gut, ich hätte es mir einfach machen können: Weil ich vor den Toren von Frankfurt wohne, wäre es ein Leichtes gewesen, sich ins Auto zu setzen und sie einfach direkt in den entsprechenden Briefkasten bei der DFL zu werfen. Doch das war mir zu unsicher, ein Einschreiben wäre hier angebracht gewesen.

Ich entschied mich, am nächsten Tag meinen damaligen Chef um Rat zu fragen, der sich in solchen Rechtsfragen deutliche besser auskennt als ich das damals tat. Er vermittelte mir den Kontakt zum Anwalt der Firma, für die ich damals arbeitete. Der Anwalt rief letztlich bei der DFL an und fragte nach, wie denn der aktuelle Stand sei, weil ja die Erklärung der DFL noch nicht vorlag. Zu meiner Erleichterung war es für die DFL kein Problem, ihr die Erklärung nun zunächst per Fax und anschließend im Original auf postalischem Wegen zukommen zu lassen. Ich möchte lieber nicht wissen, was auf mich zugekommen wäre, wenn ich den Brief noch später geöffnet hätte.

An dieser Stelle möchte ich auch erwähnen, dass ich von der Abmahnwelle natürlich alles andere als begeistert war und bin. Jedoch muss ich es tolerieren. Denn die Club- und Verbandsnamen und -logos sind gegen die ungenehmigte Verwendung durch Dritte markenrechtlich geschützt. "Auch die unautorisierte Nutzung von Namen und Bildnissen der Bundesligaspieler als Teil ihrer Persönlichkeitsrechte stellt eine Verletzung fremder Rechtspositionen dar", so der originale Wortlaut aus dem Schreiben der DFL.

Spielen ohne Originaldaten?

Ja, klar. Warum nicht? Ich habe es selbst ausprobiert, mich persönlich hat es nicht wirklich gestört. Primär geht es ja um das Spielgefühl, dass Anstoss vermittelt, und das kommt auch ohne Originaldaten auf. 

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